| |
David Császár:
mein neues handy
alle meine freunde haben
ein handy, bloss ich nicht. andauernd reden sie davon. wie schrecklich
so ein mobiltelefon ist, was es für furchtbare töne macht
und wie teuer so was ist und dass es einem ungeheuer auf die nerven
geht, weil dauernd jemand anruft, von dem man gar nichts wissen
möchte, und nie
diejenigen, von denen man so gerne mal eine nachricht hätte.
dann spielen sie ihren klingelton ab und fragen mich, was das für
ein lied ist. für mich klingt das aber immer gleich, und ich
weiss die richtige antwort nie. ich
bin wohl nicht sehr musikalisch.
die jungs streiten sich auch oft darüber, welcher das kleinere
hat, was für jungs eigentlich recht ungewöhnlich ist.
vielleicht ist an der sache mit den
elektromagnetischen wellen und deren schädlicher wirkung doch
etwas dran?
auf partys spielen sie jetzt immer dieses spiel wo, immer wenn es
piepst, alle ganz schnell aufspringen und losrennen müssen,
und kucken, ob das nicht
gerade ihr telefon ist. das spiel ist bestimmt sehr lustig, denn
alle lachen und sind fröhlich. ich bin dann immer der einzige,
der sitzen bleibt, und fühle mich
als aussenseiter.
dabei möchte ich doch so gerne dazu gehören, und sozial
akzeptiert werden.
als ich vor kurzem im
supermarkt war, gab es mobiltelefone als sonderangebot für
3.99. das war meine grosse stunde, ich hab natürlich sofort
zugeschlagen.
und was für ein tolles ding das war! ganz bunt war es und es
passte in die kleinste hosentasche. dazu gabs sogar kostenlos noch
einen lolli. und das
beste war, dass man es nicht anrufen konnte. also musste man nie
angst haben, dass einem irgend einer auf die nerven fällt.
es machte keinen lärm, und
vor der elektrostrahlung brauchte man sich auch nicht zu fürchten.
der einzige nachteil war vielleicht, dass man damit auch niemanden
anrufen konnte. aber
dafür konnte man zum beispiel prima im ausland einen geldbetrag
umrechnen, und musste dafür nicht mal gebühren an die
netzbetreiber zahlen.
leider konnte ich mich
nicht lange an meinem neuen handy erfreuen. denn neulich traf ich
auf eine gruppe von neonazis, die mir mitteilten, dass ihnen
meine gesinnung nicht gefiele, und dass sie mich darum verprügeln
müssten.
geistesgegenwärtig holte ich schnell mein mobiltelefon heraus.
ich zeigte ihnen, welche zahl man eintippen muss, damit, wenn man
es so rum hält,
»sieg'heil« zu lesen ist. das fanden sie sehr lustig,
und wir mussten alle gemeinsam lachen.
dann verhauten sie mich trotzdem. danach nahmen mir die weiblichen
nazis meine unschuld (was sehr schön war), und dann noch mein
handy weg. (das
war nicht mehr so schön.)
jetzt bin ich wieder
ohne handy, aber eigentlich will ich auch keins mehr. dabei hatte
ich eigentlich noch viele dinge damit vor. zum beispiel wollte ich
mal
die anmache ausprobieren, wo man so tut, als ob man telefoniert,
und laut sagt, dass man gar keine zigaretten mehr hat und sich erst
welche holen
müsste. und wenn einem dann vom anderen geschlecht eine angeboten
wird, kann man sich freuen.
das funktioniert natürlich nur bei rauchern, aber wo findet
man heutzutage überhaupt noch nichtraucher? alle meine freunde
rauchen, bloss ich nicht.
andauernd reden sie davon. wie schrecklich so eine angewohnheit
ist, was man mit der gesundheit anrichtet und wie teuer so was ist
und dass man damit
nicht mehr aufhören kann.
aber ich möchte doch so gerne dazu gehören, und sozial
akzeptiert werden...
|